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Weshalb wir keine „digital talents“ benötigen

6. Juni 2016

Derzeit hört man die Unternehmen, egal ob in Deutschland oder im Ausland, lauthals jammern. Es scheint fast so, als ob diese von einer ganz seltsamen Krankheit befallen wären, die da heißt digitales Fieber. Diese spezielle Form des Fiebers führt dazu, dass die Firmenlenker sich benehmen, als wäre das Internet eben erst erfunden worden. Und dass dieses Internet nun eine gänzlich neue Art von Mitarbeitern bzw. Bewerbern brauche: die digitalen Talente.

Die digital talents sollen nun irgendwie den offensichtlich vorhandenen Schmerz der Unternehmen lindern. Sie sollen dafür sorgen, dass Marktanteile wieder zurückgewonnen, Kunden erneut begeistert werden und Umsätze wieder steigen. Das dem zugrunde liegende Denkmuster ist natürlich ein anderes. Viele befällt eine leise Panik, dass mit ihnen dasselbe passiert, wie mit Nokia, Kodak und Konsorten.

Und wissen Sie was? Diese Panik ist vollkommen gerechtfertigt. Nur, die digitalen Talente werden den Unternehmen kaum helfen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen: Zum einen wissen viele Firmen nicht einmal, was sich hinter dem dehnbaren Begriff des „digitalen Talents“ eigentlich verbirgt. Ist das jemand, der ein Smartphone hat? Ich denke nicht. Alle, die in den 90ern geboren wurden? Ich hoffe nicht. Oder jemand, der schöne und gut nutzbare Webseiten bauen kann? Sicherlich, aber ich gehe davon aus, dass es um viel mehr geht. Insofern ist es in Gesprächen mit Führungskräften spannend zu hören, was diese unter dem Begriff verstehen. Hört man nämlich genau hin, erkennt man, dass die Begrifflichkeit nur das Symptom, mitnichten jedoch die Ursache des oben beschriebenen Schmerzes beschreibt.

Die digitale Welt hat grundlegend all das geändert, was wir kennen. Die Art und Weise wie Waren produziert, Dienstleistungen erbracht, mit Kunden umgegangen wird und wie Angestellte miteinander zusammen arbeiten. Kunden, Mitarbeiter, Dienstleister – wir alle sind mittlerweile einfache und schnelle digitale, auf den Kunden zentrierte Prozesse und Verhaltensweisen gewöhnt. Man könnte auch sagen, dass Amazon, Airbnb oder Uber uns dahingehend „verwöhnt“ haben. Jeden Tag sehen und erleben wir, was mit „diesem Internet“ möglich ist. Das genau ist der Grund, weshalb es so weh tut, wenn wir unsere eigenen Prozesse anschauen, wohlwissend, dass wir noch nicht da sind, wo wir sein müssten.

Dennoch hilft es keinem, wenn man einfach mal “Etwas” im digitalen Raum macht oder Leute einstellt, von denen andere denken, diese seien „digital“. Entscheidend ist, dass sowohl die Mitarbeiter als auch Bewerber das richtige Mindset haben. Und diese mentale Einstellung muss nicht zwangsläufig digital sein. Sie muss vorrangig auf den Kunden ausgerichtet sein. Absolute Kundenorientierung ist das Zauberwort. In jedem Prozessschritt, spürbar bei jedem Kontaktpunkt mit dem Kunden, in allen Verhaltensweisen.

Dieser radikale Fokus auf den Kunden wird zu mehr Kundenzufriedenheit und einer höheren Weiterempfehlungsrate führen. Eine Zunahme der Marktanteile, steigende Umsätze und glückliche Mitarbeiter sind die Folge. Vergessen Sie also „digital talents“. Schauen Sie sich stattdessen nach „customer centric talents um.

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Der Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht. Den Originaltext finden Sie auf LinkedIn Pulse.

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