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Facebook wird zur Jobbörse

9. Juli 2012

Steigt Facebook demnächst aktiv ins Recruiting-Geschäft ein? Diese Frage muss man sich ernsthaft stellen – nicht erst seitdem das Wall Street Journal (WSJ) in seiner Online-Ausgabe titelte „Facebook to launch job postings board“ oder auch der indische Business Standard mit der Schlagzeile „Facebook inches towards job recruiting“ aufmachte.

wsj.com - Facebook to Launch Job Postings Board

wsj.com – Facebook to Launch Job Postings Board (click to read full article)

Denn die Rechnung ist eigentlich relativ simpel: Laut dem WSJ hat das weltweite Online-Recruiting Geschäft einen Umfang von etwa 4,3 Mrd. US-Dollar, was guten 3,5 Mrd. Euro entspricht. Angesichts der Tatsache, dass Facebook mittlerweile an der Börse (NASDAQ) gehandelt wird, dürfte der Druck auf das soziale Netzwerk solide Gewinne, sprich Dividenden für die Aktionäre zu erwirtschaften gestiegen sein. Da erscheint der Jobbörsen-Markt doch geradezu verlockend.

techcrunch.com - Facebook Might Be Working On A Job Board, But Don’t Get Too Excited

techcrunch.com – Facebook Might Be Working On A Job Board, But Don’t Get Too Excited (click to read full article)

Lassen wir uns als kurz auf das Gedankenspiel, Facebook mischt Zukunft aktiv im Stellenanzeigengeschäft mit, ein – auch wenn das Online-Magazin TechCrunch als Reaktion auf den WSJ-Artikel meint

(…) but the story doesn’t offer any real evidence that that’s going to happen.

Die Auswirkungen eines zentralen Facebook Job Posting Systems

… auf Jobbörsen:

  • je nach Pricing der Facebook-Jobbörse dürften die derzeitigen Anbieter mächtig unter Preisdruck geraten. Nicht zuletzt, weil Facebook ein ziemlich gutes Targeting für einzelne Zielgruppen/Stellenanzeigen anbieten könnte. Diesen Datenpool haben reguläre Jobbards nicht (von Nischen-Jobbörsen wie mathjobs.de etc. abgesehen)
  • auch der Innovationsdruck für die alteingesessenen Jobbörsen dürfte gehörig steigen – Stichwort „Social Features“
  • im Grunde würde der Einstieg von Facebook auf dem Jobbörsen-Markt einen Existenzkampf bei allen anderen Anbietern auslösen, denn Fakt ist: Die User müssten für die Jobsuche Facebook (erst recht) nicht mehr verlassen.

… auf Arbeitgeber & Bewerber:

  • die Frage, ob Unternehmen Facebook überhaupt als Jobbörse nutzen würden ist müßig. Sie kämen aufgrund der Reichweite und des Targeting wohl kaum umhin. Und gerade die Unternehmen, die auf Facebook ohnehin mit einer Karriere-Fanpage vertreten sind, dürften kaum zögern, hier mit dabei zu sein. Auch wäre hier die Zeit der (hässlichen) Integration der eigenen Stellen via Drittanbieter-Tools vorbei.
  • ein zentrale (und globale, aber anpassbare) Facebook-Jobbörse würde die Akzeptanz der User für Facebook (und Social Networks allgemein) als Karriere- und Dialogplattform deutlich erhöhen. Und ist das nicht genau das, was wir Unternehmen, die stark auf Social Media als zusätzliches Employer-Branding- und Recruiting-Instrument setzen, erreichen möchten?!

Sonstige Auswirkungen:

  • Neben LinkedIn wäre Facebook dann das einzig global relevante Jobboard. Auf LinkedIns Reaktion wäre ich dann besonders gespannt.
  • Wie würden sich die Suchmaschinenanbieter wie Google, Bing oder Yahoo gegenüber den geposteten Stellenanzeigen auf Facebook verhalten? Bekämen diese durch die Social Features mehr Relevanz in den Suchergebnissen?

Gefahren:

  • mit der Integration eines Jobbards auf Facebook wäre es evtl. nur eine Frage der Zeit, bis man für (Karriere-)Fanpages auch zahlen müsste – von der kompletten „Auslieferung“ (alle Jobs auf Facebook, viele relevante Services für die Bewerber auf der Facebook-Fanpage …) an Facebook mal ganz abgesehen
  • zu guter letzt wäre Facebook schlicht eine weitere zusätzliche Jobbörse, die aus den knappen HR-Budgets bezahlt werden möchte (und aufgrund der Relevanz wohl auch müsste)

Im Übrigen könnte man das Gedankenspiel noch weiter treiben: Facebook könnte als Folgeaktion auch eine Art zusätzlich anlegbares Profil für den beruflichen Zweck anbieten, so dass man sich direkt aus Facebook heraus auf eine Stellenanzeige bewerben kann. Das E-Recruiting-System des Arbeitgebers müsste dann „nur noch“ via Parsing-Technologie die entsprechenden Daten ins Bewerbermanagementsystem übertragen.

Klar, TechCrunch hat natürlich recht, wenn es sagt

Could Facebook become a serious player in recruiting? Sure, anything is possible. But there’s nothing here to make me think it’s more likely.

Aber nichts desto trotz: So abwegig scheint für mich die Idee nicht zu sein … Die (Social-Media-Recruiting-)Zukunft bleibt spannend!

 

Update 1 – 10.07.2012
Eva Zils, eine der führenden Expertinnen in Sachen Online-Recruiting und Stellenbörsen in Deutschland (und darüber hinaus), hat sich auch zu diesem Thema geäußert, und zwar (zurecht) unterkühlter als ich. In Ihrem Blogpost listet sie außerdem noch ein paar interessante Fakten und Zahlen auf mitsamt der Begründung, weshalb das Bereitstellen eines eigenen Jobboard-Systems für Facebook ein eher kleiner und vernachlässigbarer monetärer Fisch ist. Hier geht’s zu ihrem Blogpost.

Update 2 – 12.07.2012
Ebenfalls lesenswert in diesem Zusammenhang ist der Beitrag von Jason Buss mit dem Titel The Facebook Job Board Debate. Kurz gesagt, denkt er, es gäbe im (Social) Recruiting dringlichere Probleme zu lösen als über eine eventuelle Facebook Jobbörse zu palavern ;-)

6 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2012 7:07 am

    Danke, von der unterkühlten Eva ;-)
    LG

  2. Ekkehard Grundmann permalink
    31. Juli 2012 10:22 am

    Der Aspekt, Privates und Berufliches auseinander zu halten („Job ist Job und Schnaps ist Schnaps“, „erst die Arbeit, dann das Spiel“… usw.) verschwimmt zunehmend, ich denke darüber herrscht Konsens. Oblag es nicht vor nicht allzulanger Zeit noch wirklichen Naivlingen, in VG’s/Interviews zu den netten Bildern des letzten Wochenendexzesses befragt zu werden um dann bedröppelt und mit hochrotem Kopf sowie einem gehörigen Lerneffekt in Sachen Privatsphäre in sozialen Netzwerken wieder zu gehen? Es ist doch gerade das Private, was die meisten User an Facebook fasziniert und Facebook selber interessiert. Trivialer Austausch über sich selbst und seine Langeweile bis hin zu Bildern aus Kindheit und Jugend, Urlaube, Treffen, Erlebnisse, Vorlieben, Musikgeschmack, Lieblings-… und so weiter: kurz: Chronik. Löst die Chronik nun den Lebenslauf bzw. die CV ab? Ich könnte mir vorstellen, dass die Motivation auf HR Seite deutlich höher ist als auf Seiten der User/BewerberInnen…

Trackbacks

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