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Bachelor-Absolventen – keine Generation Praktikum

7. März 2012

Die Mär von der Generation Praktikum geistert ja nun schon seit mindestens einem Jahrzehnt durch die Gesellschaft bzw. Medien. Nicht zuletzt die Einführung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge im Zuge der Bologna-Reform hat dieses Märchen nochmals neu aufflammen lassen.

Wenn man den Berichten in der Presselandschaft Glauben schenken darf, rekrutiert sich gerade bei Bachelor-Studierenden nach deren Studienabschluss ein Heer aus Praktikanten. Grund: ihr ach so schwachbrüstiges Studium, das viele gerne auf dem Niveau des Grundstudiums eines traditionellen Diplom-/Magisterstudiums sehen.

Tja, Problem ist nur, dass die meisten, die diese Behauptungen aufstellen, selbst nie im neuen System studierten … Keine Frage, Bachelor und Master haben ihre Schwächen. Aber ebenso ihre Stärken. Ich maße mir an, das beurteilen zu können, war ich doch einer der ersten Bachelor- und Master-Studenten. 2004 fing ich an der Uni Augsburg den Bachelor in Medien und Kommunikation an und schloss diesen 2007 bzw. den Master im Anschluss 2009 ab.

HIS - Institut für Hochschulforschung

HIS - Institut für Hochschulforschung (Logo)

Nun untersuchte das Institut für Hochschulforschung den Einstieg von Hochschulabsolventen des Jahrgangs 2008/2009 in das Berufsleben. Ich selbst nahm vor rund drei Jahren an der schriftlichen Befragung teil. Jetzt sind die Ergebnisse da, die ich im Folgenden kurz zusammenfassen bzw. nacherzählen möchte:

Einstieg in die Beschäftigung

  • Allen (!) Absolventen (egal welcher Abschlüsse) gelang der Berufseinstieg gut und im Vgl. zum zuvor befragten Jahrgang 2005 deutlich besser
  • Nur 3% der FH-Absolventen arbeiten ein Jahr nach Abschluss in Positionen, die nicht deren Qualifikationsniveau entsprechen
  • Bei den Uni-Absolventen sind dies 5%
  • Gerade Bachelor-Absolventen von (Fach-)Hochschulen gelingt der Einstieg überwiegend gut. Hier arbeiten nur 7% in Positionen, die nicht zur Qualifikation passen
  • Problematisch scheint es nur bei Bachelors zu sein, die ein Geisteswissenschaftliches Studium absolvierten. Hier arbeiten in den genannten Positionen immerhin 25%. Wobei hier die Frage erlaubt sei, ob das ein großer Unterschied zu früher ist …

Gehälter

  • Insgesamt sind die Brutto-Jahresgehälter im Vgl. zu 2005 gestiegen – auch das Gehalt von Bachelor-Absolventen liegt über dem damaligen Schnitt von 33.000 Euro
  • Uni-Absolventen verdienen im Übrigen nur geringfügig mehr als FH-Absolventen beim Einstieg (37.500 Euro vs. 37.250 Euro)
  • Bachelor-Absolventen von FHs verdienen im Schnitt 33.650, also knapp 4.000 Euro weniger als FH-Diplomer
  • Bei Bachelor-Absolventen von Universitäten gibt es nur geringe Unterschiede bei den Einstiegsgehältern im Vergleich zu den „alten“ Abschlüssen an Unis
  • Auch hier: Bachelors mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund verdienen lediglich 22.000 Euro brutto im Schnitt

Generation Praktikum?

  • Nur 10% des 2008/2009er-Jahrgangs nimmt nach dem Studium ein Praktikum auf
  • Bei Bachelor-Absolventen, die im Anschluss kein Master-Studium aufnahmen (und das ist die große Mehrheit!) sind dies ca. 33% (Uni) bzw. 15% (FH)
  • Ebenfalls 33% sind es bei Magister-Absolventen
  • Praktikumsquoten für Master-Absolventen sind in dem mir zugeschickten Flyer zur Untersuchung leider nicht zu finden. Wer will, kann aber gerne hier mal nachforschen, ob er dazu nicht etwas findet

Bewertung seitens der Absolventen

  • Die grundsätzliche Entscheidung zu studieren würden nahezu alle Befragten wieder so treffen
  • Doch während 80% der „alten“ Studienabschlüsse erneut zu dieser Sudienart greifen würden, sind es bei den Bachelor-Absolventen nur 60%
  • Auch hier gibt es leider keine Master-Zahlen. Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass hier eine ähnliche Quote wie bei den traditionellen Studienabschlüssen (Diplom, Magister, Staatsexamen) erreicht wird

Quelle:

Institut für Hochschulforschung (2012): Hochschulabschlüsse im Umbruch. Ergebnisse der Befragung von Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen des Prüfungsjahrgangs 2008/2009.

Den kompletten Datenbericht gibt’s hier

3 Kommentare leave one →
  1. 7. März 2012 2:59 pm

    Interessante Ergebnisse. Ich war selbst für den Bachelor (Sozialwissenschaften) an der Uni und bin dann für den Master (Wirtschaftswissenschaften/ Personalmanagement) an eine Hochschule gegangen.

    In meinem Bachelor-Studium wollten so gut wie alle einen Master machen und haben sich sonst wenig Chancen ausgerechnet. Die Bachelor-Studenten an der FH sind deutlich selbstbewusster aufgetreten und teils auch mit dem Bachelor ins Berufsleben eingestiegen.

    Ein Bachelor-Studium ist meines Erachtens dann berufsqualifizierend, wenn es neben dem theoretischen und methodischen Rüstzeug für einen ersten Job auch Raum für Praxis- und ggf. sogar Auslandserfahrung bietet. Hochschulen und Privat-Unis sind da traditionell besser aufgestellt. Im Zuge der Bologna-Reform wurde oft nur ein zweites Praxissemester gekürzt, zumindest habe ich das in Bayern so kennengelernt.

    Es kommt also auf die jeweilige Hochschule und den jeweiligen Studiengang an, was aus der Bologna-Umstellung gemacht wurde und gemacht wird. Und da gibts sicherlich an ganz vielen Stellen noch Nachholbedarf, aber durchaus schon positive Beispiele.

  2. 19. Juni 2012 9:13 am

    Interessante Post finde ich!

    In der Schweiz sehen wir einen Trend in Bezug auf die Generation Praktikum. Als übergangs Jahr besuchen viele Jugendliche als Zwischenlöschung vor dem Studium ein Praktikum. Beziehen sich deine Ergebnisse auf DE und CH ?

    • Dominik permalink*
      21. Juni 2012 7:52 am

      Hi Mateo,

      die Daten beziehen sich ausschließlich auf das deutsche Hochschulwesen.

      Beste Grüße
      Dominik

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